Dan Richter - Improtheater und Improvisation
Gedanken zu Theorie und Praxis des Improvisationstheaters. Überlegungen zu
Improvisation und Kreativität. Beobachtungen aus Lehre und Aufführung.

Improshows in Berlin/Brandenburg

25. Februar 2015

Komm, wir lassen uns erschießen!

Die Akzeptierfähigkeit eines Impro-Spielers lässt sich ziemlich genau daran ablesen, wie umstandslos er seinen Character erschießen lässt.
Blockierer entwickeln folgende Taktiken.
Anfänger-Blockierer (wenn er den Schuss nicht gar völlig ignoriert): "Ha! Der Schuss ging daneben. Nimm dies!" (schießt selbst)
Fortgeschrittene Blockierer: "Au! Meine Schulter! Sind Sie wahnsinnig geworden?"
oder: "Ah! Bevor ich sterbe, muss ich dir noch folgendes sagen..." (Es folgt ein zweiminütiger Monolog.)
Profi-Blockierer kommen wieder als Geist oder Engel.

Nachbemerkung: Bühnen-Rambos knallen natürlich (aus Angst) jeden ab, mit dem sie ein Problem haben. Denen kann man auch mal einen Character in schusssicherem Anzug vorsetzen.

Kommentare:

  1. Ich muss immer wieder innerlich schmunzeln, wenn ich darüber nachdenke: Auf der einen Seite betonen wir immer wieder, dass es beim Impro kein "Richtig" und kein "Falsch" gibt. Auf der anderen Seite fühlt sich so ein Blockieren schon irgendwie "falsch" an. Ich verstehe natürlich, worauf Du hinaus willst: Dass eine Blockade den Spielfluß stört, die Ideen der Mitspieler ignoriert oder abwertet und deshalb nicht unbedingt erstrebenswert ist. Aber genau genommen kann man ja auch von so einer Blockade ausgehend die Geschichte weiter treiben, indem man den Fehler öffentlich und vielleicht sogar groß macht ("Verdammt, ich bin wirklich so ein mieser Schütze! Ich werde nie zu einem anständigen Cowboy werden!" - oder wie auch immer der Kontext der Story war; auf jeden Fall gibt es dem schießenden Charakter eine neue Dimension, die dieser für sich nutzen kann, wenn er sie wiederum akzeptiert und ernst nimmt). Die Frage ist: Sollte man auch bei solchen Blockaden das Prinzip "Scheiter heiter?" walten lassen? Ich finde schon (uns bleibt auch gar nichts anderes übrig).

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  2. Ich bleibe dabei, dass es hier kein Richtig und kein Falsch gibt. Der gute Improspieler geht nämlich damit souverän um, da hast du Recht. Aber diese Seite ist *hier* nicht mein Punkt.
    Akzeptieren ist eine wichtige Fähigkeit (ebenso wie Schauspiel, Storytelling, Körperbeherrschung usw.), die man immer wieder trainieren muss. Improspieler blockieren aus Angst.
    Blockieren macht die Szene ja nicht *falsch*, es limitiert nur extrem die Optionen. Ich empfehle das Spiel "Beide Blockieren" von Johnstone. Diese Szenen landen fast immer in der Irrenanstalt.
    Szenen, in denen einer immer wieder mal blockiert, können hingegen durchaus witzig sein. Fast sämtliche Karl-Valentin-Szenen und -Dialoge beruhen darauf. Die Spieler sollten aber wissen, was sie da tun.

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