Dan Richter - Improtheater und Improvisation
Gedanken zu Theorie und Praxis des Improvisationstheaters. Überlegungen zu
Improvisation und Kreativität. Beobachtungen aus Lehre und Aufführung.

Improshows in Berlin/Brandenburg

24. April 2014

Film oder Theater

Manchmal finde ich es schon befremdlich, wieviel Energie Improtheaterspieler darauf verwenden, Mittel des Kinos auf die Bühne zu forcieren, ohne die Mittel des Theaters ausreichend erkundet zu haben.

17. April 2014

Ricky Gervais: Make your own favorite show. (Mach deine eigene Lieblings-Show)

"You got to know, you're doing it for you. And I always did do that with The Office. (...) Some people hated the Christmas specials and The Extras. I know they did. But we didn't do it for them. We did it for me and Steve, and like-minded people. (...) Me and Steve made our favorite sitcom." "Du musst wissen, dass du es für dich selber machst. Und das habe ich mit The Office auch immer so gehandhabt. (...) Ich weiß, manche Leute haben die Christmas Specials und The Extras gehasst. Aber für die habe ich das auch nicht gemacht. Steve und ich haben es für uns gemacht und für Leute, die so denken wie wir. Wir haben unsere Lieblings-Sitcom erschaffen."

15. April 2014

Ricky Gervais - Jokes, taboos and the right not to be offended. (Witze, Tabus und Beleidigt sein)

"No-one has the right not to be offended. And don't forget, just because you're offended, it doesn't mean you're in the right. (...) There's nothing you shouldn't joke about. It depends what the joke is. Comedy comes from a good or a bad place. (...) When you see my stand-up, on the face of it I'm looking at taboo subjects. But they're to get me into a position. They're to get the audience to a place they haven't been before. I think a comedian's job isn't just to make people laugh. I think, it's to make people think."

"Niemand hat das Recht, nicht beleidigt zu werden. Und Sie dürfen nicht vergessen: Nur weil man beleidigt ist, heißt das nicht, dass man Recht hat. (...) Es gibt nichts, worüber man keine Witze machen darf. Es kommt darauf an, was es für ein Witz ist. Comedy kommt aus einer guten oder einer schlechten Ecke. Meine kommt aus einer guten Ecke. Oberflächlich gesehen betrachte ich in meinen Stand-Ups Tabu-Themen. Aber die sind nur dafür da, um mich in eine bestimmte Position zu bringen. Sie sind dafür da, um das Publikum dorthin zu bringen, wo es noch nie war. Ich glaube, die Aufgabe eines Komikers besteht nicht nur darin, die Leute zum Lachen zu bringen, sondern sie zum Denken zu bringen."

14. April 2014

Richtigmacher

Christine Lemke Matwey in der ZEIT über das Ende von Wetten, dass...
Gottschalk habe das richtige Maß an Anarchie in einer eigentlich biederen Sendung verkörpert und macht das an einem Vergleich fest: Bei einer verlorenen Saalwette wurde Gottschalk komplett in Senf getunkt. Das Mikrofon hielt er fest in der Hand. Knapp fünf Jahre später verliert Lanz eine Saalwette und wird in Schokolade getunkt (ob sie da einen Strafen-Ausdenker im ZDF angestellt hatten, dem die Ideen ausgingen?). Und im Gegensatz zu Gottschalk gibt Lanz das Mikrofon der Wettpatin. Bloß nichts kaputtmachen. Bloß alles richtig machen.
Lanz ist ein Richtigmacher, und hatte deshalb keine Chance.
"Ein Volk von Richtigmachern will keinen Richtigmacher vorgesetzt bekommen, das hätte das ZDF bei den alten Griechen ebenso lernen können wie aus der TV-Geschichte.

12. April 2014

Harold Bloom über Shakespeares Figuren

"Es hat mich schon immer fasziniert, dass bei Shakespeare mehr als bei jedem anderen Autor, mehr als bei jedem anderen Auto - anders selbst als bei Dante, Goethe, Cervantes -, die Charaktere sich verwandeln, während sie ihren Gedanken zuhören, und dass sie selber von dieser Verwandlung überrascht werden. Die Figuren erfinden sich ständig neu. Sie sind auf die eine oder andere Weise mit sich unzufrieden, daher ihr Wille zur Veränderung. Auf diese Weise entsteht ein Macbeth, ein Egmont (Was macht der in dieser Liste - DR), ein King Lear. Man könnte sagen, sie haben die Autorenschaft übernommen, Shakespeare musste nur noch mitschreiben."
"Es gibt diese Ansicht, dass Shakespeare (...) humanistische Werte vertrat. Aber es ist kein Zufall, dass alle großen Figuren - Falstaff, Hamlet, Shylock, Macbeth, King Lear, Edgar in King Lear, Kleopatra - Nihilisten waren."
"Es gibt im Faust keine Personen. Faust ist keine Person, Mephisto nicht, Gretchen nicht. Der Unterschied zwischen Goethe und Shakespeare ist derselbe wie zwischen Shakespeare und Christopher Marlowe oder Ben Jonson, beides brillante Autoren, aber sie geben uns keine Menschen, sondern nur Karikaturen. (...) Moliére kommt Shakespeare am nächsten - hat etwas zwölf Personen. Shakespeare hat mehr als hundert bedeutende Figuren geschaffen und etwa tausend Nebenfiguren, und jede von ihnen spricht individuell, handelt individuell, klingt anders, ist anders als all die anderen."
(Alle Zitate Harold Blum im Interview mit Susanne Meyer in DIE ZEIT)

(Harold Blum wurde bekannt durch sein Buch "Shakespeare: Invention of the Human")

8. April 2014

Intellekt und Fluss

"Im Akt des Improvisierens können wir eine ganze Reihe von Sachen bewusst tun. Wir können uns sagen: Dieses Thema braucht eine Wiederholung; dieser Teil des neuen Materials muss mit dem, das wir vor drei Minuten hatten, verbunden werden; das hier ist entsetzlich – es muss verkürzt oder geändert werden; das hier ist großartig – es muss wachsen; das hier fühlt sich so an, als ob ich mich dem Ende nähere usw. Wir arbeiten entlang eines kontinuierlichen Flusses von ständig neu auftauchenden Strukturen. Wir können die Musik verändern, sie wachsen lassen, stärker segmentieren, symmetrieren, vergrößern oder verkleinern. All diese Tätigkeiten können gelehrt und gelernt werden. Aber der Inhalt, der Stoff, der bearbeitet wird, kann nicht gelehrt oder gelernt werden. Er ist einfach da, um gesehen, gehört, gefühlt zu werden; nicht durch unsere fünf Sinne, sondern durch eine Gabe, die dem Intelletto gleicht." (Stephen Nachmanovitch: Free Play)

3. April 2014

Free Play Notizen - Technik

"Um etwas Künstlerisches zu tun, muss man sich eine Technik aneignen, aber man schafft nicht mit der Technik, sondern durch sie hindurch."
(Stephen Nachmanovitch: "Free Play. Kreativität geschehen lassen")