Dan Richter - Improtheater und Improvisation
Gedanken zu Theorie und Praxis des Improvisationstheaters. Überlegungen zu
Improvisation und Kreativität. Beobachtungen aus Lehre und Aufführung.

Improshows in Berlin/Brandenburg

12. September 2013

Filmische Mittel ernstnehmen und persiflieren oder weglassen?

Bekanntlich sind Filmgenres ein beliebtes Format im Improtheater. Das Problem, das sich dabei offensichtlich stellt: Wir sind nun mal auf der Bühne und können viele Möglichkeiten der Kamera, des Casts, Equipment der Spezialeffekte usw. nicht nutzen. Wie geht man damit um?
Einiges lässt sich ja praktisch in die Pantomime einbetten (z.B. in ein Auto steigen).
Aber soll man auf die anderen Effekte völlig verzichten? Nehmen wir z.B. die Nahaufnahme. Wie Improspieler dies auf die Bühne bringen (mit den Armen die Leinwand oder den Fernseher um das Gesicht des Darstellers andeuten), ist selber zum Impro-Klischee geronnen und nichts weiter als ein kleiner Lacher, der ja auch nichts bringt - als Zuschauer sehen wir durch dieses kleine Gimmick auch nicht mehr, und für die Story hat es auch keinen Effekt. Andererseits bieten Landschaftsaufnahmen, Massenszenen u.a. die Möglichkeit, durch körperliche Phantasie Neues zu schaffen. Ich denke, wenn man sich eines Filmgenres annimmt, sollte man sich ruhig auch die Zeit nehmen, die filmischen Mittel zu durchdenken und gegebenenfalls einiges bewusst fallenlassen oder bühnenadäquate Umsetzungen finden, die dem Zuschauer auch wirklich etwas bringen.
Ich bin mir in dieser Frage noch nicht sicher und freue mich über Kommentare und Widerspruch.

Kommentare:

  1. Ich bin dafür, fast alles zu benutzen, selbst etwas "abgegriffenes" - denn letztlich ist es eine Frage des Wie. Hier greift die Regel der Drei, der erste Lacher kommt, danach aber konsequent Weitergeführt zieht es den Zuschauer in den Bann. Stell ich mir zum Beispiel Schnitt und Gegenschnitt als Closeup vor. Dabei kann es ein eigenes Bühnensprachelement der Szene werden. Und wie schon richtig gesagt, vieles ist erst einmal Handwerk, das sich die Gruppe im Training erarbeiten kann, um es dann gezielt einzusetzen.

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  2. Aber sind die angesprochenen "Effekte" nicht eher typisch für den Film allgemein, als für ein Genre. Welches filmische Mittel ist den genretypisch und daher nicht bühnentauglich? Klar können wir jedes filmische Mittel erzählend auf die Bühne bringen, aber ich denke, das macht letztlich nicht ein Genre aus. Es gibt jegliches Genre (lasse mich gern über Ausnahmen belehren) auch als Buch, oder? Ich würde behaupten, dass deshalb Genre nicht Medienabhängig sind.

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  3. Also je nachdem wie du Genre definierst, aber Stummfilm und Musical sag ich erstmal sind schon nicht wirklich als Buch mit ihren Eigenheiten präsent.
    Wenn wir mal beim Closeup bleiben und ich da an Italowestern denke, sehe ich bildfüllende Aufnahmen von Augen und Händen vor dem Duell, denen ich großen Wiedererkennungswert bescheinigen würde.

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  4. Die filmischen Mittel könnte man mit einem Scenepainting beschreiben. Man kann nun einmal nicht alles auf der Bühne umsetzen was im Kino möglich ist.
    Ich finde es allerdings wichtiger, dass sich eine Gruppe einig ist, welche Eigenheiten die Genres haben. Ich bin bisher auf wenig Verständniss gestoßen, wenn ich anderen in der Probe etwas Theorie beibringen wollte. Dabei ist das sehr wichtig, wenn man gute Filmszenen auf die Bühne bringen will. Ohne etwas Theorie kommen dann so tolle Sachen wie die kämpfenden Monster beim Horror oder die ewig saufenden Cowboys im Saloon raus.

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