Dan Richter - Improtheater und Improvisation
Gedanken zu Theorie und Praxis des Improvisationstheaters. Überlegungen zu
Improvisation und Kreativität. Beobachtungen aus Lehre und Aufführung.

Improshows in Berlin/Brandenburg

1. Dezember 2011

Moderation - Frechheit und Freundlichkeit

Wie frech kann man als Moderator sein? Kann man das Publikum auch mal vor den Kopf stoßen? So weit, dass es über nette "Frechheit" hinausgeht?
Ich denke, es funktioniert eine ganze Menge, solange man auf der Seite des Publikums ist. Umgekehrt funktionieren alle Nettigkeiten nicht, wenn man von oben herab belehrend wirkt.
Jedes Mal aufs Neue frisch das Publikum zu lesen, das ist die große Kunst.

Kommentare:

  1. Johnstone hat ja mal geschrieben, dass man nur "ungezogen" sein darf, wenn man auch gutherzig sein kann. Mir selbst hilft das als Idee wie man sich zum Publikum stellt. Im Grunde sollte man einfach man selbst sein und sich dabei trauen, weder ein strahlender Gutmensch noch ein zynischer Sack zu sein.

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  2. "Man selbst sein" ist aber schwierig, da es dieses "Man Selbst" nicht per se und abrufbar gibt: Man hat z.B. bestimmte Angewohnheiten, derer man sich manchmal nicht bewusst ist. Stimmungsschwankungen können sich verstärken, wenn man sich im "man selbst" nur gehen lässt. Deshalb sollte man das Moderieren auch trainieren und vor Moderationen sich positiv fokussieren.

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  3. Ich finde, das geht ganz stark ins Philosophisch / Psychologische: Ich hatte ja diesen Sommer einen Moderationsworkshop bei Ralf Schmitt und er legt auch großen Wert darauf, dass man "man selbst" ist, wenn man moderiert. Mich hat das fast in eine Krise gestürzt, weil ich - wie Du ja schon andeutest, Dan - mich die ganze Zeit gefragt habe: Wer bin ich denn eigentlich? Wie bin ich denn eigentlich? Letztendlich war das "man selbst", das Ralf in dem Workshop gesehen zu haben glaubte, ja auch wiederum nur seine Wahrnehmung und damit eine Facette meiner Person. Dennoch verstehe ich, was er meint: Man sollte "bei sich" sein, sich nicht verstellen, sich keine Maske aufsetzen, die zu weit einem selbst entfernt ist. Wobei auch das philosophisch ist, denn jede Maske ist ja wiederum auch nur ein Teil meines Selbst... Und manchmal, wenn man zu schlecht gelaunt ist, braucht es vielleicht auch diese Maske...

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  4. "Authentisch", das ist übrigens das, was Ralf Schmitt gemeint hat und wenn ich mich recht erinnere auch genau das Wort, das er gebraucht hat. Das heißt ja, dass man mal frech und mal anders sein kann - je nach Stimmungslage. Aber es muss ja keinen Freibrief bedeuten, sich gehen zu lassen.

    Um auf die Ursprungsfrage des Artikels zurück zu kommen: Ja, ich denke auch, das Publikum verzeiht viel. Aber zu oft sollte man es vielleicht doch nicht vor den Kopf stoßen, ist wie in jeder anderen sozialen Beziehung auch ;)

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  5. Ich hab mich zu diesem Thema mal ausführlicher ausgelassen: http://www.danrichter.de/impro/05/improgedankenaug05.htm
    (13.08.05)

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