Dan Richter - Improtheater und Improvisation
Gedanken zu Theorie und Praxis des Improvisationstheaters. Überlegungen zu
Improvisation und Kreativität. Beobachtungen aus Lehre und Aufführung.

Improshows in Berlin/Brandenburg

28. Juli 2011

Haben Kinder Status?

(Begründete Gegenmeinungen erwünscht)
Arbeits-Hypothese: Kleine Kinder haben keinen Status. (Ich rede von Kindern im Alter von, sagen wir, 4 Jahren.) Ihr Hin- oder Wegschauen, sich den Raum nehmen usw., ist in unserem Sinne statusmäßig irrelevant. Es gibt kein statusmäßiges Dominanz- und Unterwerfungs-Verhalten. Das wird erst noch gelernt.
Wenn wir an Dominanzkämpfe denken, wie z.B. den Streit um Spielzeug, ist das immer ein sofortiger, physischer Kampf, kein sozial subtiles körperliches Abstecken von Grenzen.

(Ich spreche hier natürlich von Status im Sinne von Johnstone - also physischen Status als Dominanz-Geste. Und normale Kinder.)

Kommentare:

  1. Mir fällt dazu nur die gängige Auffassung ein, dass man auf der (Impro-)Bühne keine Kinder spielen soll (landläufige Hypothese). In der 2. Hälfte Eurer Bollywood-Show hat Eure eine Kollegin dann ein Kind gespielt und ich dachte erst schon "Ohgottohgottohgott", aber sie hat die Sache echt super gelöst und die Szene wurde für mich dann die beste des Abends (auch durch ihr nicht zu geringes Mitwirken / Steuern in der Rolle des Kindes).
    Kinder und Status... Schwierig. Prinzipiell würde ich sagen, eher Tiefstatus (Kinder werden von ihren Eltern häufig eher als Objekte denn als Personen behandelt), aber vielleicht schließe ich da unzulässigerweise von mir auf andere.

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  2. Also wenn ich mir meinen kleinen Sohn angucke dann weiß ich wer hoch- und wer tief ist :) *lach*

    @Claudia: Um Tiefstatus zu haben, müssten Kinder diesen aber doch annehmen, also akzeptieren. Kann man davon sprechen?

    Ich würde sagen: Kommt drauf an, wie man Status auffasst, oder? Ich glaube nicht, dass Kinder geplante Dominanz-Strategien fahren. Aber Status kann ja auch mehr umfassen, wie wohl man sich fühlt, wie viel Platz man sich nimmt etc.. Ich denke da zeigen Kinder schon unwillkürlich verschiedene Statusse (plural?) und sind auch temperamentsmässig unterschiedlich.

    Hab gerade mal aus Spaß in ein Entwicklungspsychologie-Buch geguckt. Also hier wird nach einer Studie angegeben, dass so ca. 15 Prozent der 30-35 Monate alten Kinder "kooperatives Als-Ob-Spiel" und 15 Prozent der 42-47 Monate alten Kinder "komplexes Rollenspiel" betreiben (das sind die beiden komplexesten, interaktivsten Formen des Zusammenspiel, komplexes Rollenspiel ist defninert als spielen "soziale(r) Rollen unter Einsatz von Metakommunikation").

    Ich würde schon sagen, das ist (vermutlich unbewusst) Statusrelevant.

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