Dan Richter - Improtheater und Improvisation
Gedanken zu Theorie und Praxis des Improvisationstheaters. Überlegungen zu
Improvisation und Kreativität. Beobachtungen aus Lehre und Aufführung.

Improshows in Berlin/Brandenburg

30. August 2010

Wieviel Komplexität ist im Storytelling möglich?

Sind wir in der Lage, eine wirklich komplexe Geschichte, sagen wir so wie den Film "Usual Suspects" oder "Bourne Identity" frei zu improvisieren? Je mehr Einzelinformationen zu verarbeiten sind, umso komplexer wird das Storygebilde, werden die Möglichkeiten der Interpretation. Und wenn wir es als Mystery aufziehen, als Wer-war's-Krimi kann man rasch die Fäden verlieren.
Einige Impro-Krimi-Formate behelfen sich damit, dass sie eine bestimmte Storystruktur bedienen oder wenigstens einer weiß, wer der Täter war. Aber so amüsant das ist (empfehlenswert besonders MordArt mit Paternoster), es entsteht ja nicht aus der freien Improvisation, in der das Ende der Story für alle offen ist, das heißt auch für die Story selber.
Ein zweites Problem, mit dem wir umgehen müssen, besteht in der Größe der Gruppe. Je größer die Gruppe, umso eher die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand verhört, einen Aspekt nicht versteht, etwas vergisst oder einfach nur einen schlechten Tag hat. Ganz abgesehen davon deutet ja jeder Spieler die Bedeutung der Elemente komplexer Geschichten unterschiedlich, was ja auch der Sinn dieser Geschichten ist.
Ich vermute, wir kommen aus diesem Problem als Improspieler nie ganz heraus. Simpel bleiben ist die große Tugend. Gebt der Story nicht zu viel Bedeutung, dann kann sie ihre Bedeutung entfalten.
Und in jeder Spieler-Konstellation neu austesten, was an Komplexität möglich ist, was man einander zumuten kann.

25. August 2010

Der verflixte zweite Tag

Und es gibt jene begeisterten Impro-Anfänger, die gleich nach dem ersten Workshop zu missionieren beginnen. Sie laden andere zu kleinen Improspielchen ein, und regen sich unglaublich auf, wenn es nicht funktioniert: "Mann! Ich hab dir doch gesagt, du musst akzeptieren!"

Das verflixte zweite Jahr

Es dauert in der Regel ein Jahr Improtraining, bis die Improspieler vom eigenen Wissen gefesselt werden. Sie jammern über schlechte Geschichten, beklagen ihr mangelndes Schauspieltalent, maßen sich an, über die Fähigkeiten anderer zu lästern, und sind auf der Bühne teilweise regelrecht gelähmt. Sie bewegen sich langsamer, wagen es nicht, ihre Ideen auszusprechen, aus Angst, den eigenen Impro-Ansprüchen nicht zu genügen.

20. August 2010

Hans Magnus Enzensberger im Interview

Hans Magnus Enzensberger (auf die Frage nach seinem Mittel gegen Selbstzufriedenheit): "Nackenschläge. Eine katastrophale Theaterpremiere, ein schlecht geplantes Filmprojekt. Wenn etwas schiefgeht, das ist doch spannend. Ich schätze meine Niederlagen hoch."
Hans Magnus Enzensberger: "Entweder ich mache etwas umsonst oder ich werde anständig bezahlt. Die schlechten Bezahlungen, die finde ich unpassend."
Hans Magnus Enzensberger: "Wenn ein Gedicht etwas taugt, dann ist es besser als alles, was darüber gesagt wird."

Glanz und Eitelkeit

Seit 1968 wird in Deutschland und in Europa der Niedergang des klassischen Gesangs beklagt. Vor allem am Beispiel der Wagner- und Verdi-Sänger lässt sich das nachvollziehen. Die Stimme steht immer mehr im Vordergrund - ihr Glanz, ihre Pracht. Das Werk tritt dagegen zurück. Die großen Sänger bis in die 40er Jahre hatten zwar auch große Stimme, zielten aber mehr noch auf Nuancen, auf die Kunst im Kleinen. Solche Stimmen hätten heute kaum noch eine Chance auf den großen Bühnen, da Stars gesucht würden. Stücke wie Tristan und Isolde lassen sich dadurch heute gar nicht mehr angemessen aufführen.
S. Artikel in der Süddeutschen Zeitung: "Neue Helden braucht das Land" von Reinhard J. Brembeck
Für uns: Gute Improvisierer beeindrucken durch ihre Fertigkeiten, aber großartige Improvisierer stellen sich in den Dienst der Szene bzw. des Spiels.

1. August 2010

Vorbereitung

Wenn ich mir neue Übungen für eine Show ausdenke oder ein Format oder ein Game für eine Show, versuche ich meistens, mir das bildlich vorzustellen: Wie funktioniert.
Auch wenn ich den Ablauf einer Show plane - Welche Games spielen wir?, Wie lang soll es gehen?, Brauchen wir ein Warm Up? - male ich mir das im Kopf möglichst konkret aus, statt einfach nur eine abstrakte Liste zu erstellen.

Kommunizieren

Warm Up Grundlagen
Zuklatsch-Spiele: Kommuniziere deinen Namen! Halte Kontakt zu deinem Mitspieler! Sei offen für plötzlich ankommende Angebote. Entfessle dich. Steh locker in der Basketball-Haltung!