Dan Richter - Improtheater und Improvisation
Gedanken zu Theorie und Praxis des Improvisationstheaters. Überlegungen zu
Improvisation und Kreativität. Beobachtungen aus Lehre und Aufführung.

Improshows in Berlin/Brandenburg

21. Juni 2010

Was sagen wir hier eigentlich

Keith Johnstone ermutigt die Impro-Anfänger, das Neheliegende zu wählen, auch wenn es Obszönitäten sind oder völliger Quatsch entsteht.
Aber von Zeit zu Zeit sollten wir doch auch ein Auge auf den Inhalt werfen, den wir da produzieren. Wozu sonst stehen wir auf der Bühne.
Randy Dixon gibt folgenden Vergleich: Wir produzieren eine Schale. Und im Improtheater schauen wir in der Regel auf die Schale (d.h. das Format oder Game) und wie gut wir diese Schale hinbekommen haben. Meistens diskutieren wir jedoch über den Prozess des Erschaffens der Schale. So gut wie nie jedoch über den Inhalt, den diese Schale hält (oder auch nicht). So wacklig diese Metapher auch sein mag, so wichtig ist es jedoch auch, dass wir von Zeit zu Zeit auch mal die Konvention brechen, und mal nicht nur über das Wie, sondern auch über das Was zu reden.
Habe ich überhaupt etwas zu sagen? Will ich etwas sagen? Wem will ich etwas sagen? Usw.
Es ist eine Diskussion, die man wahrscheinlich am ehesten mit sich selbst allein führen muss. Oder?

Kommentare:

  1. Also ich glaube, das wäre eine gute Diskussion, mit mehreren Ebenen. Zu (1) könnte man sich auf der Metaebene mal genauer darüber klar werden, welche Relevanz Impro-Theater hat bzw. haben könnte, wenn es denn eine größere Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung spielen würde. Da könnte die Bandbreite dann reichen von "vollkommen belanglos und überflüssig" bis "inspirierend, fordernd, unterhaltend und damit Kulturrelevant". Das wäre dann die Meta-Ebene mit Sicht auf die Gesamt-Improszene. Dann gibt es sicherlich (2) eine Gruppen-Ebene mit der Frage, was denn eine einzelne Impro-Gruppe eigentlich will (Geld verdienen, Spaß haben, andere Menschen inspirieren,...). Auf Ebene (3) kommt dann der individuelle Spieler, der sicherlich seine ganz eigenen Beweggründe hat, sich auf die Bühne zu stellen.
    Also ich fände zumindest (1) mal eine ausführliche Diskussion wert. Vielleicht mal im Rahmen eines Podcasts?

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  2. Ja, natürlich geht es letztlich um Inhalte. Ich stimme da zu. Wir hatten z.B. in den letzten Wochen eine sehr fruchtbare Diskussion über Tabus und unseren Umgang damit, in der auch klar wurde, wohin wir uns langfristig bewegen. Die entscheidende Frage "Was will ich eigentlich mit Impro transportieren?" wird glaube ich oft übergangen (sonst kann ich mir ehrlich gesagt nicht erklären warum mindestens 80% die generisch gleiche Improshow spielen).

    Für mich persönlich ist es aber auch wichtig, von der Stufe des Inhalts und Aussagen-Wollens noch weiter zu gehen. Letztlich nimmt sich jeder Zuschauer mit, was er will, und ich will ja gar nicht wie mit dem vorgehaltenen Zeigefinger moralisieren. z.B. habe ich neulich eine Szene gespielt, in der ich in einer typischen Dilemma-Situation war, ich muss einen erschießen, also zeige ich das Dilemma und dann erschieße ich willkürlich einen.

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