Dan Richter - Improtheater und Improvisation
Gedanken zu Theorie und Praxis des Improvisationstheaters. Überlegungen zu
Improvisation und Kreativität. Beobachtungen aus Lehre und Aufführung.

Improshows in Berlin/Brandenburg

8. Juni 2010

Status gegenüber Räumen und Gegenständen

(Ich weiß nicht, ob ich das hier schon mal erwähnt habe und bin auch unsicher, ob ich diese Beobachtungen woanders schon mal gelesen habe.)
Ich denke, Status hat man erst dann verinnerlicht, wenn man ihn auch gegenüber Räumen und Gegenständen spielen kann. Respekt oder Selbstverständlichkeit des Umgangs drückt sich nämlich nicht nur gegenüber Personen, sondern auch gegenüber Räumen und Objekten aus.
Johnstone erwähnt das Beispiel von König Lear, der mit großer Gelassenheit den Palast betritt und sich am Feuer wärmt. Der Hochstatus, den wir in dieser Szene sehen, bezieht sich ja nicht allein auf die außerdem anwesenden Personen, sondern auch auf den Raum. Man stelle sich vor, der Gärtner des Königs würde in den Krönungssaal geschickt werden, und er betritt ihn nun zum ersten Mal: Jeder Schritt unsicher, Angst, etwas kaputtzumachen, und über allem das Gefühl: "Das ist nicht mein Raum, ich gehöre eigentlich nicht hierher."
Hochstatus gegenüber Gegenständen: Ich benutze sie mit großer Selbstverständlichkeit und Gelassenheit.
Tiefstatus gegenüber Gegenständen: Es steht mir eigentlich nicht zu, sie zu berühren.
Die typischen physischen Features finden sich auch hier. Der Hochstatus vergrößert den eigenen Radius. Der Tiefstatus verkleinert ihn.
Dies ist meines Erachtens der Kern von Status, und Johnstones Leistung ist es, dies so ausführlich beschrieben zu haben. Worin ich mit hm nicht übereinstimme: Hochstatus heißt nicht Kommandieren.

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