Dan Richter - Improtheater und Improvisation
Gedanken zu Theorie und Praxis des Improvisationstheaters. Überlegungen zu
Improvisation und Kreativität. Beobachtungen aus Lehre und Aufführung.

Improshows in Berlin/Brandenburg

26. April 2010

Johnny Depp im Prozess

Johnny Depp ist dermaßen prozess- (statt produkt-) orientiert, dass er sich nicht einmal seine eigenen Filme anschaut.
"When it's done, it's none of my business."

25. April 2010

Der Sprung

Feedback einer Schülerin: "Unglaublich, was man bei euch an einem einzigen Wochenende lernt. Und so schnell! Ich dachte, wir hören erst mal einen halben Tag nur Theorie. Aber man lernt sofort, die Angst fallenzulassen."

24. April 2010

Kreative Angst

Ungeheuer kreativ werden Impro-Anfänger, wenn sie sich Rechtfertigungen fürs Nichthandeln ausdenken:
- "Ich weiß doch auch nicht, wie es in einem Bademeisterturm aussieht."
- "Ich musste ja erstmal den Esel wegschicken und verschnaufen, bevor ich den Text aus dem [imaginären] Buch vorlese."
- "Das Spiel XY kann ich nicht so gut."
- "Ich weiß nicht, wie man Setzlinge pflanzt." (Meine eigene schändliche Rechtfertigung damals im Anfängerkurs, um meine hingewurschtelte Pantomime zu begründen. Aber mordende Gangster, Piloten, Chirurgen, Karusselbetreiber - die konnte ich ohne zu fragen spielen.)

Als Anfänger nimmt man die Ausweichmanöver, die das in Panik vorm Unbekannten geratene Unterbewusstsein da mit einem treibt, gar nicht wahr. Der Verstand, so Eckhart von Hirschhausen, gleicht dem Regierungssprecher - er ist der Letzte, der erfährt, was beschlossen wurde, und muss es nach außen rechtfertigen.
Es gilt also, den Mut zu trainieren, das gegen die Alltagsrationalität gerichtete Ja-Sagen.

23. April 2010

Improvisation anwenden um die Welt zu verändern

Vom 23. -- 26. September findet unter diesem Titel in Amsterdam die Internationale Konferenz des weltweiten "Applied Improvisation Network" (Netzwerk angewandte Improvisation -- siehe unten) statt. Es warten vielfältige kreative und stärkende Impulse!
Es gibt drei "Hauptspuren", entlang derer die Konferenz laufen wird:
# Die Geschäftswelt: Innovation, Veränderungen in Unternehmen, eigene Geschäftsfelder definieren und ausbauen
# Die soziale Welt: Sozialer Wandel, der Aufbau von Gemeinschaften und Weiterentwicklung von Settings
# Die persönliche Welt: Auseinandersetzung mit unserer eigenen Entwicklung, Einzelcoaching, Methoden die ein besseres und erfüllendes Leben mit LebenspartnerInnen und FreundInnen fördern
Gesucht werden nun Menschen, die in ihren Berufsfeldern oder als KünstlerInnen Improvisationstechniken umsetzen z. B. auch Playback-Theater, Soziodrama, Statuen- und Forumtheater, Methoden von Keith Johnstone oder Viola Spolin usw. Unter http://www.surveymonkey.com/s/QCMKYYJ! können noch bis 6. Mai (Bitte auf Englisch) Vorschläge für 2-Stunden-Workshops eingebracht werden.
"Applied Improvisation Network - AIN" Mitglieder des 2002 gegründeten AIN kommen aus den verschiedensten Ländern der Erde. Es sind Menschen aus verschiedenen Berufen, die Improvisationstechniken in vielfältigen Feldern anwenden: in der Beratung und Begleitung von Unternehmen und Institutionen verschiedenster Branchen sowie von Städten und Gemeinden, in der Erwachsenenbildung sowie im Gesundheits- und Sozialbereich. Dabei geht es um zentrale Themenfelder wie gelungene Kommunikation, emotionale und soziale Kompetenz, Improvisation als Motor für Innovation und Qualitätssteigerung, Umgang mit Konflikten, Supervision und Coaching sowie um neue Zugänge für die Planung und Umsetzung von Projekten oder Arbeitsabläufen. http://appliedimprov.ning.com

15. April 2010

Effiziente Anmoderationen

Gute Anmoderationen, die auch ein bisschen gute Laune versprühen sollen, sind effizient: Wenig Aufwand, hohe Wirkung.
Das Publikum hat ein natürliches Bedürfnis zu klatschen. Das muss man ihm nicht gewaltsam aufdrücken, darf es ihm aber auch nicht vorenthalten.
N. beispielsweise brüllte in einer Literaturveranstaltung immer mit hysterischer Stimme über den Applaus, als müsse er im Colosseum gegen die blutrünstige Masse anschreien.
G. hingegen ließ durch die Ambivalenz seines Sprechens und seiner Stimmführung das Publikum im Unklaren, wann es überhaupt klatschen durfte.
Klarheit. Knappheit.

12. April 2010

Malcolm McLaren - Scheitern als Kunst

Malcolm McLaren gestorben.
Aus einem Taz Interview 2008:
"Widersprüche machen uns auf wunderbare Weise unperfekt. Ich werde nie vergessen, wie einer meiner Professoren die Arbeiten des Spätimpressionisten Pierre Bonnard erklärte: "Es sind die Fehler, die Fehler sind es, die ihn von einem Amateur in einen großen Künstler verwandelt haben. Er zeigte seine Fehler!" Das sind die Dinge, die mich geformt haben, das war Cash from Chaos: Es sind die Fehler in der Musik, die zählen! Zeigt, dass ihr nicht gut spielen könnt, das ist viel besser, als es so aufzunehmen, als ob ihr spielen könntet! Es ist groß, seine Fehler zu zeigen!
Natürlich hielten mich diese Kids für vollkommen verrückt. Kannst du uns nicht einen guten Produzenten besorgen, der kann das frisieren, fragten sie. Nein, nein, ihr müsst die Fehler zeigen! Ich predigte dieselben Worte, die mich gelehrt worden waren. Die Idee war seitdem immer, dass etwas Falsches richtig aussehen konnte."

6. April 2010

Den Gewinn einfahren

Verhandle nicht. Relativiere nicht. Fahr den Gewinn ein.
Klare Statements statt endloser Relativierungen, die nur langweilen.
Auch Verhandlungen machen die Szene zäh. Warum? Weil es letztlich meistens Verhandlungen zwischen den Spielern sind. Es wird ja nur scheinbar spannender.
Nirgends wird so viel gefeilscht wie auf Teppichbasaren und in Improszenen.

5. April 2010

Shakespeare improvisieren

Das Shakespeare-Doppelpack am vergangenen Donnerstag auf dem Internationalen Improfestival war wieder sehr schön. Selbst die in der englischen Sprache nicht ganz sattelfesten Spieler sprangen mutig hinein. Und wir können uns den Großen Willy schon hübsch für die Impro zurechtstutzen. Hier ein paar Merkmale, die ich teilweise aus unserer Praxis bei Foxy Freestyle, teils aus den Workshop-Notizen von Ed Hauswirth zusammengestückelt habe:
- Das angestrebte Versmaß ist der fünfhebige Jambus ("A horse, a horse, a kingdom for a horse"). Dafür müssen wir, wenn wir auf Deutsch spielen, oft apostrophisch sprechen:
"Komm du mir nah, als zott'ger russ'scher Bär,
geharnsch't Rhinozeros, hyrkanscher Tiger!"
- Der Reim ist dem Ende der Szene vorbehalten.
- Handlungen, vor allem aber Gegenstände werden öfter benannt, als wir es in der gewöhnlichen Impro tun.
- Namen wiederholen.
- In Dialogen sich stets auf das vorher Gesagte beziehen. Oft werden einzelne Wörter wiederholt.
- naturnahe Metaphern
- Verstellungen, Masken, Unterrichten
- Tragödie: Das Verlangen führt zum bösen Ende.
- Komödie: Verwechslungen, Derbheiten. Das Verquere führt zum guten Ende.

Improvised Shakespeare Comedy: "Three things went wrong at night" from Dan Richter on Vimeo.

3. April 2010

Foxy Show vom 2. April 2010


Baummarkierer am Werk. Über Schmalzstullen. Heißluftballons, Radfahrerin, Kirche, Schachspieler, Häuschen kehren wir zurück in den Schaukelstuhlmann mit der Zipfelmütze.


Die Lebensmittelpolizei ist Schäubles CIA-Connection aus den 70ern längst auf die Schliche gekommen. Aber es wird ihm nicht gelingen, Berlin zur Schwabenhauptstadt zu machen.

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Die pädagogische Bäckerin trifft auf einen Physiker und einen soziologisch bewanderten Kunsthistoriker.
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Ob Ken auch liest?
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Raskill haben die Mörderbienen trotz Rauchkanne als ersten erwischt.
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Parallelspiegel sind sicher, solange man in sie nicht mit einem Fernglas schaut.