Dan Richter - Improtheater und Improvisation
Gedanken zu Theorie und Praxis des Improvisationstheaters. Überlegungen zu
Improvisation und Kreativität. Beobachtungen aus Lehre und Aufführung.

Improshows in Berlin/Brandenburg

10. Februar 2010

Gewalt

Manchmal vergesse ich, in Workshops Dinge zu unterrichten, die für mich selbstverständlich waren, z.B. Einsatzfreude, Ausprobieren. Aber auch sensibler Umgang mit Mitspielern. Tatsächlich spielen sich manche Anfänger in einen regelrechten Wahn und leben die schauspielerische Gewalt regelrecht aus. Der Kampf der Figuren wird zum Kampf der Spieler. In eine ähnliche Richtung geht natürlich auch der intime Übergriff - extreme körperliche Nähe zu Leuten, die man kaum kennt. Highlights:
- Beim Workshop in einem Konservatorium kämpfen zwei Spieler mit aller Kraft um die Herrschaft auf der Bühne, zerren an ihren Klamotten. Am Ende zerdreschen sie den Notenständer.
- Beim Casting-Impro für eine Improgruppe verpasst ein Bewerber in einer Szene einem Mitglied der Gruppe eine Maulschelle. (Ob er genommen wurde, ist mir nicht bekannt.)
- Bei einer Anfängershow wird eine Armrede gespielt. Herr X die Arme, Frau Y hält die Rede. Vom Publikum wird ein etwas anzügliches Thema vorgegeben. Herr X begrabbelt nun die Spielerin Y. Zunächst an den Hüften, dann ein kurzer Griff an die Brüste - es verschlägt ihr den Atem, aber the show must go on. Dem kurzen Griff folgt ein längerer, und dann als Höhepunkt tatsächlich ein Griff in den Schritt. Niemand schreitet ein, und das Publikum windet sich vor Fremdscham.

Kommentare:

  1. Stephen Sims hat bei seinen Workshops immer wieder in die Szene gerufen: "Don't force!" Und er meinte das ernst, er ging sogar soweit, dass man nicht einmal einen anderen Spieler durch Rufen auf die Bühne zwingen solle.
    Mir fallen beim Unterrichten diese Dinge aber auch erst dann auf, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist oder einem Spieler fast der Arm herausgedreht wurde. Dann rufe ich aber immer ganz laut: "DON'T FORCE!"

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  2. Oder wie es zu Wende-Zeiten hieß: "Keine Gewalt!"

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