Dan Richter - Improtheater und Improvisation
Gedanken zu Theorie und Praxis des Improvisationstheaters. Überlegungen zu
Improvisation und Kreativität. Beobachtungen aus Lehre und Aufführung.

Improshows in Berlin/Brandenburg

30. Januar 2010

Unwichtigkeit von Plots

Ricky Gervais erklärt, dass sie schon auf eigene Faust eine 20-Minuten-Folge von "The Office" vorproduizert hatten: "Wenn wir ihnen das Skript gegeben hätten, läge das jetzt in einer Schublade. Und zwar verständlicherweise; denn es gab keine Witze. Ich denke, es 20 % gingen nur um Schweigen. Es gab keine berühmten Leute, keine Plots. Aber als sie [die Leute von der BBC] es sahen, wussten sie, was wir meinten."

27. Januar 2010

Verknüpfungen und Wiedereinführen

Das Maß der Verknüpfung der bereits eingeführten Elemente ist sowohl bei narrativen als auch nicht-narrativen Formen eine entscheidende Geschmacksfrage.
Anfänger tendieren in der Regel, zu viel zu verknüpfen. Vor allem freie Formate wie Harold, Collagen usw. verleiten dazu. Am Ende legt man zuviel fest, nichts bleibt mehr offen, und die Schönheit des angedeuteten Gleichklangs verschwindet zugunsten eines festgeknüpften Knotens.
Das Format Quintett (auch bekannt als 5-4-3-2-1) startet mit fünf verschiedenen Szenen, von denen eine abgewählt wird, vier werden weitergespielt usw., bis eine übrigbleibt. Es gibt Gruppen, die es darauf anlegen, die Szenen immer mehr miteinander verschmelzen zu lassen. Ich glaube, dass den Szenen dadurch die Schönheit genommen wird. Jede Story entfaltet ihr eigenes Narrativ. Warum zusammenmantschen, was nicht zusammengehört?
Umgekehrt - aber das ist ja Storytelling-ABC - wissen wir, dass erst durch Verknüpfung Storys entstehen.


PS: Hab ich das hier schon mal geschrieben?

26. Januar 2010

Magic Moments: Er ist ein Maulwurf

Einer jener seltenen magischen Momente entstand bei der zweiten Show von Foxy Freestyle in der Alten Kantine. Die Schluss-Szene einer zwar witzigen, aber doch recht verwickelten Geschichte mündet in ein Abschluss-Lied zwischen Matze Fluhrer und mir.
Die letzte Zeile singen wir gemeinsam, ohne uns anzuschauen: Gleicher Text, gleiche Melodie. Das Video ist wie immer lediglich ein müder Abklatsch, aber die Zuschauer sind von diesem besonderen Moment auch begeistert.
Ich denke, die Chance, solche Momente zu erleben, erhöht sich, wenn wir nicht nur aufmerksam sind, sondern vor allem auch mutige Entscheidungen treffen.

Der Song startet ca. bei Minute 3:30

Authentizität - Straßen-Weisheit

"Del Didn't like TV or parody type things. He preferred fresher oberrvations that weren't filtered through the culture. He felt that "in general" was the enemy of art and that God was in the details." (Mike Myers in Charna Halpern: "Art by Committee")

22. Januar 2010

Die vierte Wand durchbrechen

Ich kann mich nicht erinnern, es irgendwo gelernt zu haben: Ich habe aber bei Shows fast von Anfang an die vierte Wand durchschritten. Szenen im Publikum, Zuschauer einbeziehen.
Im Improvisation liegt es praktisch auf der Hand, da die Zuschauer durch Vorschläge oder auch Abstimmungen und die ganzen Impro-Zirkus-Rituale ans Mitmachen gewöhnt sind.

21. Januar 2010

Impro für Improvisierer - Rapid Fire

Auftritt von Amy Shostak und Kurt Smeaton (Rapid Fire) im Bühnenrausch. Von 50 Zuschauern sind mindestens 40 Improspieler. Davon kritzelt die Hälfte während der Show Notizen. Von Kanada lernen heißt Impro lernen. Keith Johnstone, The Crumbs Rapid Fire.
Die beiden spielen zwei Langformen. Sehr entspannt, sehr gutes Miteinander. Sie gehen so locker miteinander um, dass es fast scheint, als seien sie langsam. In Wirklichkeit bauen sie Schritt für Schritt aufeinander auf, führen Elemente wieder ein, bleiben im Moment, und behalten das bereits Etablierte im Blick. Schöne Figuren. Alles spezifisch. Die zweite Hälfte beginnen sie in einem kleinen Flugzeug. Eine beinahe Warte-Szene, fast wie Godot. Gleich zu Beginn fragt sie ihn, ob seine Schulter noch schmerze. Er fragt zurück, wie es ihrer Schulter gehe. Wir bleiben mit der Information allein. Und erst am Ende wird sie wieder eingesammelt.

17. Januar 2010

Abgang

"Nicht auf den Auftritt, auf den Abgang kommt es an." (Weeß icke, wer das mal gesagt hat.)

13. Januar 2010

Schauspiel ohne Improvisation?

"Wer nicht improvisieren kann, ist auch kein Schauspieler." (Marlon Brando)

12. Januar 2010

Berlin/Brandenburg Impro Neuigkeiten regelmäßig online

Löbliche Seite von Marco Brüders und Thomas Jäkel:
http://www.impro-news.de/

Sie schreiben dazu:

Hallo Impro-Macher,
seit November 2009 haben wir an der Umsetzung des Konzeptes einer regionalen Online Improtheater-Zeitung für Berlin/Brandenburg gearbeitet. Seit Ende November sind wir mit unserer Seite Impro-News.de online. Seither haben wir viele Erfahrungen mit der Technik und mit dem für uns neuen News-Format gesammelt. So ist Impro-News.de derzeit bereits per RSS abonnierbar, man kann uns per Twitter followen und es gibt eine Facebook-Gruppe, die die wichtigen Artikel verlinkt.
Das positive Echo verschiedener persönlich mit uns bekannter Freunde aus der Berlin-Brandenburger Impro-Szene auf unsere ersten Gehversuche gibt uns das Gefühl, dass wir hier einen sinnvollen Beitrag zu der wachsenden Impro-Community in der Region leisten können. Sicherlich ist noch nicht alles perfekt und wir erfinden das Format in guter Impro-Manier jeden Tag wieder ein bisschen neu, aber es macht uns persönlich so viel Spaß, dass wir uns vorstellen können, hier etwas Nachhaltiges zu schaffen.
Wenn euch das Angebot gefällt, so leitet diese Information doch bitte an eure Freunde oder sonstige Interessierte weiter!
Worum geht es eigentlich bei Impro-News.de?
Der Grundgedanke bei Impro-News.de ist es, eine zentrale Informations-Plattform zu bieten, über die Infos aus und über die Berlin/Brandenburger Impro-Szene in einer unabhängigen und vielfältigen Form zugänglich gemacht werden können. Hierbei denken wir in erster Linie an folgende Informationen:
Ankündigungen zu interessanten Events (Workshops, Festivals, neue Shows und Formate)
Kritiken von einzelnen Impro-Auftritten,
Vorstellung der Impro-Gruppen und Impro-Persönlichkeiten, z.B. in Form von Steckbriefen und Interviews.
Tipps&Tricks, z.B. Vorstellung von Impro-Spielen oder Trainings-Tipps in lockerer Form
Sonstige Infos rund um Impro-Theater
Wir erhoffen uns hiervon eine stärkere Vernetzung der teilweise doch recht zersplitterten Impro-Szene, einfach dadurch, dass man mal erfährt, was außerhalb der eigenen Gruppe so läuft und was die anderen eigentlich so machen.
Wer steckt hinter Impro-News.de?
Ins Leben gerufen und getragen wird das Projekt derzeit von Thomas Jäkel (ZWIEBELFISCH) und Marco Brüders (Changeroos). Wir suchen jedoch noch Mitstreiter, die Spaß daran haben, über die Berlin/Brandenburger Impro-Szene lebendig zu berichten (Siehe auch “Wie kann ich konkret mitmachen” weiter unten).
Impro-News.de versteht sich als unabhängiges Forum und fühlt sich einzig den hier genannten Zielen verpflichtet. Insbesondere verfolgt Impro-News.de keinerlei kommerzielle Interessen. Falls wir uns entschließen sollten, Werbung auf dem Portal einzublenden (und falls das auch noch Geld bringen sollte…), dann wird dieses Geld ausschließlich zur Deckung der Kosten verwendet, die im Rahmen der Arbeit rund um Impro-News.de entstehen.
Woher kommen die Artikel?
Bislang haben wir alle Artikel selber geschrieben, wobei wir oft auf Informationen aus von uns abonnierten Newslettern einiger Impro-Gruppen zurückgegriffen haben. Wir würden uns aber wünschen, dass eine möglichst große Zahl von anderen Freiwilligen aus ganz verschiedenen Ecken der Impro-Szene bei unserem Projekt mithelfen, indem Sie eigene Artikel schreiben oder uns Informationen zugänglich machen. Grundsätzlich sind wir für alles offen, werden aber eine Moderationsrolle übernehmen, um eine gewisse Grundlinie zu gewährleisten.
Wie kann man konkret mitmachen?
Ihr könnt mitmachen, indem Ihr
den Fragebogen für eure Gruppe ausfüllt,
einen kurzen Bericht über eine von euch besuchte Impro-Vorstellung schreibt
eure schönste Impro-Panne mailt
uns auf Termine und Veranstaltungen hinweist, die wir bislang übersehen haben (bitte aber keine regelmäßigen Auftritts-Termine)
uns bzw. unseren Redakteuren Freikarten für eine Show anbietet, damit wir Kritiken schreiben können
Impro-News.de an Bekannte weiterempfehlt und ggfs. von euren Seiten auf uns verlinkt
uns eure Kritik über Impro-News.de schickt (Lob darf auch mal sein!)
Artikel fleißig kommentiert
uns auf neue Ideen bringt
usw.
Soweit erstmal. Wir würden uns freuen, wenn ihr uns regelmäßig lest und eure Gruppenmitglieder über Impro-News.de informiert. Wir haben noch einige andere Ideen für die Zukunft, aber eins nach dem anderen.
Gutes Improvisieren wünschen euch
Thomas und Marco

11. Januar 2010

Akzeptiere, dass das Akzeptieren nicht eingefordert werden kann

Akzeptiere das Paradox: Akzeptanz lässt sich nicht einfordern. Bleib bescheiden. Akzeptiere, dass deine Mitspielern der Bühne manchmal blockieren. Du weißt selber, dass das auch Profis immer wieder mal unterläuft. Mach das Beste draus und spiel!
Akzeotiere die Schwächen deiner Mitspieler, ohne Akzeptanz für deine Schwächen einzufordern (á la "So bin ich nun mal.")

8. Januar 2010

Grundlagen Figuren

1. Wisse bescheid über die Dinge und Personen, mit denen du zu tun hast. So ersparen wir uns Debatten über das Wie, Wer, Wo und können gleich zur Sache kommen.
2. Habe Ahnung von dem, was du tust. Der hilflose Pilot (Chirurg, Atomphysiker usw.) ist mal für einen Gag gut, aber auf Dauer hemmen solhe Figuren die Geschichte.
3. Habe eine sprachliche und/oder körperliche Angewohnheit. Ich möchte hier weniger von "Tic" sprechen, wie es sonst im Impro üblich ist, da man da sonst zu schnell ins Krankhafte, Groteske abgleitet. Ein kleiner Akzent oder die übertriebene Benutzung eines Wortes genügt ja. Charakteristisch kann auch Jargon sein - Bürokraten, Lehrer, Handwerker usw. Statt der physischen Groteske auch etwas feineres, wie z.B. sich einfach schneller bewegen, andere berühren, Arme ausstrecken usw.
4. Habe als Figur eine Haltung zu bestimmten Themen. Je klarer die Haltung, umso schöner lässt sich die Figur ausreizen.
5. Treibe deine Haltung ins Äußerste. Wir wollen Konsequenzen sehen.

7. Januar 2010

Sich was vornehmen

Ich versuche immer wieder mal, mir kleine Dinge in einzelnen Szenen vorzunehmen. Z.B. Improbasics: Radikal aufs Akzeptieren achten, positiv starten usw.
Oder ich denke mir mein eigenes kleines verstecktes Spiel aus: z.B. spielte ich in einer Szene letzten Freitag permanent mit der Nähe/Distanz zu meinen Mitspielern, was der Szene einen seltsamen Dreh verlieh.
Ich glaube aber, man kann sich nicht viel mehr, als ein, zwei Dinge vornehmen, sonst verheddert man sich, verliert an Lockerheit. Ein gutes Game sollte ja auch schon schwierig genug sein, uns am Vorausdenken zu hindern.
Manchmal male ich mir vor der Show ein Zeichen auf den Handrücken - die Erinnerung an mein persönliches Meta-Game für die Show.

6. Januar 2010

Lustiges Regelbrechen

Ein Haufen Folgen von was weiß ich welcher Staffel von "Curb Your Enthusiasm" wurde mir geschenkt. Funktioniert die Datei?, frage ich mich und gleichzeitig will ich mal sehen, wie Larry, der notorische Improvisierer, die Folge startet. Ergebnis:
- Negativ
- Streit
- Er lässt seinen Partner kaum zu Wort kommen.
Und trotzdem saukomisch.

1. Januar 2010

Komik allein

"Komik allein kann einen Spielfilm nicht tragen, also fügte er Romantik und Tragik hinzu." (Attenborough über Chaplin)