Dan Richter - Improtheater und Improvisation
Gedanken zu Theorie und Praxis des Improvisationstheaters. Überlegungen zu
Improvisation und Kreativität. Beobachtungen aus Lehre und Aufführung.

Improshows in Berlin/Brandenburg

31. März 2009

Wiederentdeckte Spiele - Werbe-Agentur

Ein Spiel zum Training des Au-Ja-Muskels und fürs hemmungslose Hinzufügen.
Ca. 4 Spieler. Vorschlag vom Publikum ein Produkt.
Jeder Werbe-Fritze macht nun einen Vorschlag zum Werbe-Clip:
- Wo soll der gedreht werden.
- Wer soll darin spielen.
- Was soll geschehen.
Alles wird begeistert aufgenommen. Jeder neue Vorschlag bezieht sich direkt auf den alten.
Anschließend wird der Clip gespielt.

26. März 2009

Hinzufügen

Aus "Unsolicited Advice About Auditions" aus dem Improtagebuch von Ben Whitehouse. Zum Thema Hinzufügen:
One of my favorite teachers Christina Gausas always says "An improviser shows their personal style by 'anding'." This is extremely true for auditions situations. remember how you "and" is your signature. Only you "and" the way you do, because let’s face it "Yessing" is just agreeing with your partner's "and." Be sure to give really jusicy "ands."
Genau. Das Hinzufügen wird ja oft unterschätzt. Dabei geht es genau darum.

25. März 2009

2. Show in der Kulturbrauerei

Ja, ja. Filmaufnahmen von Improshows sind immer nur ein schwacher Abklatsch dessen, was da eigentlich stattfand. Dennoch hier der erste Teil unserer Show (ein Quintett) vom letzten Freitag auf Video. Beachtlich finde ich die Steigerung, was wir aus den teils albernen Skizzen des ersten Durchlaufs noch entwickelt haben.
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24. März 2009

Storytelling und Regie

Übung für Strukturen und Langformen.
Zwei Schauspieler spielen eine Szene ohne zeitliche oder örtliche Veränderung.
Ein dritter Spieler führt von außen die Regie/das Buch/die Dramaturgie. Sämtliche Änderungen wie Orts und Zeitwechsel, Einführung neuer Figuren werden von ihm entschieden, und zwar konkret. Ebenso das Ende des Stücks.

23. März 2009

Piep, Piep!

Wieder ausgegrabenes Spiel bei Johnstone, das ich völlig vergessen hatte und das gut geeignet ist, um Sprechern ein Gefühl für Publikumskontakt zu geben: Die Zuschauer haben den rechten Arm erhoben und senken ihn langsam. Der Sprecher hat die Aufgabe, während eines Monologs mit den Zuschauern immer wieder Augenkontakt herzustellen. Gibt es Augenkontakt hebt der betreffende Zuschauer wieder den Arm. Sinkt die Hand auf Kniehöhe macht dieser "piep-piep-piep".
Johnstone macht in diesem Kapitel auch darauf aufmerksam, wie feindselig der "gleitende Blick" wirkt. "Große Entertainer lösen das Problem, indem sie praktisch ununterbrochen Erkennungssignale aussenden - auch wenn die Lampen sie blenden - und überzeugen uns damit, dass sie uns gesehen haben."

Become quieter - Zuschauerkontakt durch Stille

"The most reliable gauge of an audience's interest is the extent to which they cough. A cough is a clear sign that a person has detached a little from the show and getting fidgety. I have heard that putting on a show is 'the art of stopping people coughing.' (...) The lesson I quickly learned, which goes against every natural instinct when you are on stage showing off to people, is that they are losing interest and starting to cough, you must become quieter."
Derren Brown: "Tricks of the mind"

20. März 2009

Gegenstände spielen

Ein hübsches Feature, das bei Anfängergruppen oft noch in der Ausspinn-Phase zu finden ist, geht bei Profis leider irgendwann verloren: Gegenstände zu spielen.
Ich vermute, dass das damit zu tun hat, dass die Szenen sich auf Dauer ähneln. Oft handeln die Geschichten davon, dass sich die Gegenstände befreien, was vielleicht auf der Hand liegt, da wir sie sozusagen als unbeweglich im Kopf verankert haben.
Wichtig wäre also, der eigenen Logik der Objekte zu folgen und sie vor allem mit komplexen Emotionen auszustatten.

18. März 2009

Premieren-Fotos

Fotos von der Premiere in der Alten Kantine in der Kulturbrauerei.


















(c) Matthias & Anna Fluhrer

weitere Fotos hier

16. März 2009

Schwierigkeiten, das Einfache zu lehren

Lässt sich wirklich das am besten lehren, was man selbst bewusst erlernt hat. Jahrelang glaubte ich, die wichtigste, wenn nicht gar die einzige Regel des Improtheater sei Akzeptieren. Das stimmt sicherlich für viele. Aber es gibt einige Anfänger, die sowieso alles akzeptieren, denen aber der Wille fehlt, die Bühne zu betreten, oder solche, denen der Sinn fürs Spiel abgeht. Beides hat mir nie auch nur annähernd gefehlt.
Tatsächlich funktionieren ja gerade deshalb viele Impro-Übungen: Weil sie als Spiel angelegt sind. Was aber, wenn jemand, genau diesen kindlichen Sinn, sich überhaupt auf ein Spiel einzulassen, verlernt hat? Man schreitet voran und der Schüler "erledigt" brav und aufmerksam seine Aufgaben, aber er kommt nie ins Spiel. Die Spiel- und Übungsphantasie des Lehrers wird immer wieder herausgefordert. Kein Schüler ist wie der andere. Oder wie Luhmann sagen würde: Schüler sind keine Trivialmaschinen, die man mit etwas füttert, woraufhin das gewünschte Ergebnis herauskommt.

14. März 2009

Premiere in der Alten Kantine

Unglaublich. 130 Zuschauer beim ersten Mal. Wir bemühen uns um eine Art Potpourri längerer und kürzerer Formate. Unsere Fähigkeiten zu zeigen, unsere Freude zu teilen, schnell zu improvisieren.
Bis auf ein paar Stolpersteine, die vielleicht einer nervösen Premieren-Hektik geschuldet sind, ein freudiger Abend. Auf dass es so schön weitergehe.

12. März 2009

Wahrheit und Schmerz

"Komik = Wahrheit + Schmerz", meint John Vorhaus und belegt das recht überzeugend mit einigen Beispielen.
Auf der anderen Seite braucht man sich nur einmal eine echte Tragödie anzuschauen und man wird feststellen, dass die ohne die Elemente Wahrheit und Schmerz ebensowenig funktioniert.
Wahrheit und Schmerz sind also eher Erzähl-Elemente.
Die Komponente Schmerz bewirkt, dass uns das Thema wirklich erreicht und berührt.
Die Komponente Wahrheit sorgt dafür, dass die Story nicht abgeschmackt, billig, lächerlich, oder an den Haaren herbeigezogen wirkt.

Der Unterschied zwischen der Komödie und der Tragödie liegt dann eher darin, wie die Helden mit der Situation umgehen. Vielleicht eine Frage des Timing - in der Komödie leidet der Held in der Regel sofort und immer wieder. In der Tragödie steuert er blind und oft heiter in sein Schicksal.
Andererseits kennen wir das Slowburn aus den Laurel-und-Hardy-Filmen: Wenn die beiden auf ein Dach klettern, wissen wir schon ab der ersten Sekunde, dass Ollie irgendwann an der Regenrinne hängt.
Oder sollte der Unterschied eher in der Doofheit der Charaktere liegen?
Und was ist mit den Todd-Solondz-Filmen? Hier weiß man gar nicht mehr, ob man lachen oder schluchzen soll.

9. März 2009

Alberne Impro

Mal schön veralbert. Aber mit den Besten kann man's ja machen

3. März 2009

Hauptsache absahnen

Helge Schneider im Interview mit der Berliner Zeitung:
Helge: "Und dann musste es irgendwann so einen Scheiß geben wie Paris Hilton, die plötzlich auch noch singt. Im Grunde genommen ist es heute so: Mit wenig Material viel Geld zu verdienen. Also mit wenig Tun. Und diese Frau - Beispiel Paris Hilton - ist Repräsentantin dieser Politik und damit auch der Finanzkrise, die dadurch entstanden ist. Damit ist es mal ganz deutlich beim Namen genannt."
Berliner: "Nichts tun, nichts können, nur absahnen: Paris Hilton als personifizierte Finanzkrise?"
Helge: "Richtig. Faulheit siegt!"