Dan Richter - Improtheater und Improvisation
Gedanken zu Theorie und Praxis des Improvisationstheaters. Überlegungen zu
Improvisation und Kreativität. Beobachtungen aus Lehre und Aufführung.

Improshows in Berlin/Brandenburg

30. Januar 2009

Chicago - Here We Come!

Ja! Ja! Ja!
Wir sind angenommen worden! In der letzten Nacht kam die E-Mail aus Chicago, das wir mit Foxy Freestyle zum Chicago Improv Festival 2009 eingeladen wurden.
Ich kann es noch gar nicht fassen! Das letzte Mal war ich im Jahr 2003 in Chicago, habe dort das Green Mill mit seinem berühmten Poetry Slam besucht und die unglaubliche Improshow von TJ and Dave im ImprovOlympics gesehen.


Und jetzt dürfen wir dort selber spielen!
Die Stadt, in der alles begann - The Compass, Second City, Del Close, The Blues Brothers, Barack Obama, ... und jetzt Foxy Freestyle. Here we come!

26. Januar 2009

Skepsis

Richard Dawkins: "Nach meiner Überzeugung ist vertrauensselige Gutgläubigkeit bei Kindern etwas Normales und Gesundes, aber bei Erwachsenen kann sie zu einer ungesunden, sträflichen Einfalt werden."
Dawkins spricht hier über die Gutgläubigkeit Erwachsener angesichts von Scharlatanen, Astrologen, PSI-Medien usw., die sich dm Schauder des Moments überlassen und dies für Evidenz halten.
Widerspricht diese Beobachtung nicht dem, was wir bei vielen Impro-Anfängern erleben - den Hang zum Nein-Sagen, zur Skepsis, zum Zu-viel-Überlegen?
Ich denke, es ist eher eine Frage von Zeit und Ort - wo lasse ich mich auf Intuition und Jasagen ein? Wann halte ich inne, überlege, berechne?

24. Januar 2009

Pinguine haben keine Hände - Unverschämtheit!

Einwort-Geschichte mit Pinguin Gerda. Sie blockiert ein wenig und will die Story unbedingt auf das Thema Antarktis lenken.

Eine Mafia-Szene mit Bau als Paten.




Die Schildkröte als Kanzlerin mit Perücke.




Babysitterin Geneviéve.



Hase Ronnie als strenger Vater auf dem Krankenbett.



"Warum stehen Sie die ganze Zeit hinter mir?"





23. Januar 2009

Blinder Fleck für Talente

Anscheinend bin ich nicht der Einzige, dem es so geht: Man tendiert dazu, beim Unterrichten das überzubetonen, was man selber lernen musste und das zu vernachlässigen, was einem offensichtlich erscheint.
Z.B. erschien mir die Freude, in eine Figur zu schlüpfen, sie nachzuahmen, also der mimetische Instinkt, als völlig normal, so wie Spielen oder Tanzen. Fast undenkbar, dass jemand fragen könnte: Wie jetzt?
Und es gibt auch kleine Talente und Tugenden, auf die man erst mal aufmerksam gemacht werden muss. So sagten mir verschieden Teilnehmer beim Hallenser Festival, das wir Spieler von Foxy Freestyle ein ausgeprägtes Talent zur klanglichen Darstellung hätten. Ich habe das immer für normal gehalten, und erst als ich das hörte, wurde mir klar, dass die meisten Gruppen das fast gar nicht nutzen.

20. Januar 2009

Pride - lyrics

"'Pride' gets over only on the strength of its resounding beat and big, droning bass line, not on the nobility of its lyrics, which are unremarkable" (Kritiker im Rolling Stone)
Vielleicht transzendiert der Text dieses Liedes keine größere Wahrheit als, sagen wir, "I want to hold your hand". Aber das Erstaunliche ist ja, dass er als Songtext funktioniert, was man vielleicht vor allem als Nicht-Muttersprachler bemerkt:
Die Wiederholung des "One man"-Motivs
Die Vokallastigkeit des Textes
Der Gleichklang von "One Man" und "What more"
Die schlagwortartigen Gegensätze (barbed wire/kiss, love/betray...)
Jede Zeile ein T-Shirt-Spruch.

19. Januar 2009

18. Januar 2009

Gute Games, böse Games, leere Games

Ein Game ist ein Game ist ein Game.
Viele Impro-Games funktionieren auf der Bühne, wenn man sich einfach an die Regeln hält, fast automatisch, auch wenn man sie nicht komplett beherrscht, was ja oft den Reiz ausmacht. Aber völlig ohne Inhalt bleiben sie eben auch langeilig. Man muss schon bereit sein zu Kreativität.

14. Januar 2009

Kritik von Kollegen

Mehr als die Kommentare in Gästebüchern und oft mehr als das von Dünkel oder eben auch Selbstzweifeln ja nicht freie Selbsturteil sollte man die Kritik von Kollegen schätzen. Am besten natürlich, von Kollegen, die man selber schätzt. Selber muss man sich auch nicht scheuen, auf Anfrage zu loben, zu kommentieren und eben auch zu kritisieren. Auf Anfrage! Unangenehm ist Kritik von unerwünschter Seite, bei der man, selbst wenn man dem Kritiker sachlich recht geben mag, insgeheim denkt: Wie willst du denn das beurteilen? Unangenehm jene beiden Künstler, die sich immerzu autorisiert sahen, an Storytelling, Performance oder Reimschemen zu nörgeln, ohne je auch nur einen unpeinlichen Auftritt absolviert zu haben.

13. Januar 2009

Ernst muss Spaß machen

Noch mal Helge Schneider: "Nur wenn die Kunst Spaß macht, kann ich sie ernsthaft betreiben."

10. Januar 2009

Gesamtkünstler

Es gibt Künstler, bei denen ist es wurscht, welchem Genre oder welcher Disziplin sie sich zu wenden. Helge Schneider spielt hunderte verschiedene Instrumente, und er spielt sie immer auf dieselbe Weise. Und nicht nur das - er zeichnet auch so, er schreibt so, und er spricht so.
Ähnlich ist es auch bei Volker Strübing. Seine Geschichten, seine Musik, seine Fotos und jetzt eben auch sein Film beeindrucken gleichermaßen. Und immer erkennt man seine Handschrift.

9. Januar 2009

Nicht nur die Bühne ist Platz des Künstlers

Den eigenen Arbeitsplatz mindestens so wertschätzen wie die Bühne. Die Arbeit des Schreibens so wertschätzen wie das Auftreten. Wie das aussehen kann, beschreibt Volker Strübing hier.

"...wenn man feststeckt, tippt man den Ertrag besserer Stunden ab. Klingt nach doppelter Arbeit, das ist es aber nicht. Weil das Abtippen gleichzeitig der erste Korrekturdurchgang ist und man viele kleine und größere Fehlerchen beseitigt. Rechtschreibfehler, Inhaltsfehler, Ausdrucksfehler, all solches Zeugs.
Inzwischen gebe ich ziemlich viel Geld aus, wenn ich mir ein neues Schreibgerät oder ein neues Heft kaufe. Ich muss damit ja auch eine ziemlich enge Bindung eingehen, wir werden einiges zusammen erleben. Vorbei sind die Zeiten als ich mit Lotto-Kulis in Hefte aus Connys Container geschrieben habe. Geht auch, klar, wenns sein muss mach ich das auch wieder, aber schöner ist es mit gutem Arbeitsgerät.
Ich arbeite und schreibe viel, es gibt Zeitdruck, aber keinen Stress. Ich habe den schönsten Beruf der Welt. Zumindest, wenn es so gut läuft, wie im Moment. Morgens (wenn ich es morgens schon aus dem Bett schaffe), wird abgetippt, Mittags gehe ich für zwei Stunden in ein Café schreiben, dann wird wieder daheim getippt und Krempel erledigt, abends gehe ich noch einmal für zwei oder drei Stunden schreiben, dann eher in die Kneipe als ins Café. So schön kann Arbeit sein. "

5. Januar 2009

Manierismen

Manierismen sind wie eine ansteckende Krankheit. Altbekannt: Die Novizen wollen den großartigen Schauspieler kopieren und machen dann doch nur seine Oberfläche nach. Der Stil eines Brando z.B. ist eben nicht kopierbar. Man kann vielleicht eine Pate-Parodie abgeben, aber sein kreatives Verhältnis zur Schauspielerei wird nur von wenigen erfasst.
Im Improtheater hat das Kopieren von Maierismen stellenweise groteske Züge angenommen. Genre-Gags werden übernommen, das (hier schon oft erwähnte Einzählen), und anscheinend nur schon ins dritte Jahrzehnt gehend: Der Haar/Kinn-Streich-Gag fürs Publikums-Warm-Up. Für Uneingeweihte: Der Gag ist so übel nicht. Der Moderator weiht die Zuschauer augenzwinkernd ein, sie müssten klatschen, wenn er sich übers Haar streicht, und sofort damit aufhören, wenn er sich am Kinn berührt.
Man sollte annehmen, dass man als Bühnenmensch schon ein schlechtes Gewissen haben sollte, so einen Trick überhaupt zu klauen oder ihn gar in derselben Stadt zu verwenden. Aber inzwischen verwendet ihn jede zweite Theatersporttruppe.