Dan Richter - Improtheater und Improvisation
Gedanken zu Theorie und Praxis des Improvisationstheaters. Überlegungen zu
Improvisation und Kreativität. Beobachtungen aus Lehre und Aufführung.

Improshows in Berlin/Brandenburg

16. Dezember 2008

Macbeth

Aus Macbeth 1. Aufzug, 2. Szene
Krieger (verwundet, berichtet vom Kampf): (...)
Kaum zwang das Recht, mit Tapferkeit bewehrt,
Die hurt’gen Kerne, Fersengeld zu zahlen,
Als der Norweger Fürst, den Vorteil spähend,
Mit blanken Waffen, frisch geworbner Schar
Aufs neue Kampf begann
Duncan: Entmutigte
Das unsre Feldherrn nicht, Macbeth und Banquo?
Krieger: Jawohl! wie Spatzen Adler, Hasen Löwen.
Gradaus gesagt, muss ich von ihnen melden,
Sie waren wie Kanonen, überladen
Mit doppeltem Gekrach; so stürzten sie,
Die Doppelstreiche doppelnd, auf den Feind;
Ob sie im heißen Blute baden wollten,
Ob auferbaun ein zweites Golgatha,
Ich weiß es nicht -
Doch ich bin matt, die Wunden schrein nach Hilfe.
Duncan. Wie deine Worte zieren dich die Wunden;
Und Ehre strömt aus beiden. Schafft ihm Ärzte.

Man stelle sich diese Stelle aus Macbeth als Improszene vor. Bemerkenswert ist hier das radikale Akzeptieren und Vorantreiben. Die Frage, ob Macbeth und Banquo entmutigt waren, beantwortet der Krieger poetisch, mit einem Bild, das sich direkt aus der Frage ergibt. Man beachte das "Jawohl!", ohne das das Bild nicht möglich wäre. Und hübsch lyrisch auch die doppelte Dopplung ausgerechnet des Wortes „doppeln“.

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