Dan Richter - Improtheater und Improvisation
Gedanken zu Theorie und Praxis des Improvisationstheaters. Überlegungen zu
Improvisation und Kreativität. Beobachtungen aus Lehre und Aufführung.

Improshows in Berlin/Brandenburg

27. November 2008

Impro-Tips für Frauen

  1. Bändigt eure Haare. Ihr geratet in einen automatisierten Tiefstatus, wenn ihr ständig damit beschäftigt seid, euch die Haare aus dem Gesicht zu schieben.
    Tragt keine Accesoires, die immer wieder gerichtet werden müssen.
  2. Tragt bequeme Schuhe und einen BH. Röcke schränken bekanntlich die Bewegungsfreiheit ein, Miniröcke noch mehr.
  3. Versucht nicht, niedlich zu sein.
  4. Seid ausreichend bekleidet. Arschgeweih und Bauchnabelpiercing sind für offstage OK.
  5. Fangt offstage keine Stutenbeißereien an. Eure Bühnenpartnerinnen müssen nicht eure "besten Freundinnen" sein.
  6. Wenn du die Älteste im Team bist, wirst du wahrscheinlich öfters als "Mutter" angespielt. Nimm's nicht persönlich. Sei schneller und nenne deine Mitspielerin "Mutter".
  7. Wenn du als "Prostituierte" angespielt wirst, nimm die Rolle ernst. Wirst du vom selben Typen drei mal hintereinander als "Prostituierte" angespielt, sprich mit ihm nach der Show darüber, dann lacht und trinkt ein Bier.
  8. Wenn ihr eine reine Frauentruppe seid, müsst ihr das nicht im Namen deutlich machen.
  9. Wenn ihr das Gefühl habt, die Typen geben euch nicht den Platz auf der Bühne, der euch zusteht, nehmt ihn euch.
  10. Seid nicht höflich auf der Bühne: Geht ins Gegenteil eures Partners (charakterlich und statusmäßig), Habt keine Angst, den anderen zu unterbrechen.
  11. Nicht jede Show muss eine Liebesszene enthalten.
  12. Wenigstens einmal ausprobieren, wie es ist, auf der Bühne aggressiv zu sein.

22. November 2008

Workshopnotizen

Ich ermutige die Schüler, sich Notizen zu machen, Gedanken auszuformulieren, oder ein Impro-Journal zu führen. Aber nicht während des Workshops! Der Workshop hat seine eigene Dynamik, und die liegt im körperlichen und emotionalen Erfahren und im mündlichen Austausch. In der Regel ist in den Pausen und nach dem Unterricht genügend Zeit für Notizen und Stichpunkte.

21. November 2008

Raumlaufen - Übung oder Warm-Up

Beim letzten Training der Anfänger wurde noch mal sehr deutlich, welch großen Wert die Raumlauf-Übungen haben, wenn man sie sinnvoll anwendet. Mir scheint grundsätzlich folgende Hierarchie sinnvoll:
  1. Ankommen bei sich selbst: Fokus auf den Boden gerichtet, der einen trägt. Dann auf den Atem. Dann auf das aufgerichtete Gehen. Der Fokus wechselt zwischen Boden, Atem und aufrechtem Gehen.
  2. Ankommen im Raum: Wir verschieben den Fokus allmählich auf den Raum. Welche Farben nehmen wir wahr? Welche Formen? Welche Geräusche? Welche Gerüche? Auch hier nur ein langsamer Wechsel zwischen den Fokuspunkten. Zwischendurch wieder Rückkopplung zum Gehen und Atmen.
  3. Ankommen bei den Mitspielern: Wer ist anwesend? Wie gehen sie? Wie sind sie drauf? Was könnten sie heute erlebt haben? Zwischendurch wieder rückversichern durch Fokus auf sich selbst und den Raum. Freudiges Begrüßen der Mitspieler.
Wenn man das unkommentiert und ungestört 15 bis 20 Minuten übt, ist man in der Regel äußerst fokussiert.
Ich habe diese Raumlauf-Übungen fast ausschließlich in Trainings und Workshops erlebt, fast nie vor Auftritten, da einem hier oft die Ruhe fehlt. Lieber wird diskutiert, ewig an der Technik gefummelt oder Tag Outs gespielt.

14. November 2008

Langform in fünf Teilen

Habe die Show von vor 2 Jahren als Filmchen wiedergefunden. Impro ist eigentlich immer schwierig als Film wiederzugeben. Hier, finde ich, ist es einigermaßen gelungen, vorausgesetzt, jemand nimmt sich die 45 Minuten und schaut sich diese 5 Filme an, die zusammen unsere Langform "4.000 Hubschrauber" ergeben.

Vielen Dank an Robert Munzinger und Steffi Winny.

Kleiner Tipp: Man beginne mit dem zweiten Teil. Der erste besteht hauptsächlich aus Anmoderation und Einführung.









13. November 2008

Wiedereinführen

Es gibt auch ein Zuviel an Wiedereinführen. Vor allem in nicht-narrativen Formen wie "Roter Faden" oder "Harold" sollte man der Verführung des allzu cleveren Storytelling nicht erliegen. Denn es wirkt dann oft platt und zerstört die poetische Wirkung. Dasselber gilt aber auch für erzählerische Formen: Es muss nicht alles Sinn machen, und vor allem müssen wir den Sinn nicht jedesmal herauströten. Nicht jeder muss mit jedem zu tun haben, und vor allem: Nichts muss erklärt werden.
Das Wagnis, dass zwei, drei comedy-konditionierte Deppen im Publikum sitzen, die erst lachen, wenn man es ihnen unter die Nase reibt, sollte man schon eingehen. Der Großteil des Publikums ist schlauer als man denkt.

12. November 2008

Gegenbewegung im Status

Klippe des Tiefstatus: Durch die tendenzielle körperliche Enge besteht die Gefahr, sich geistig zu verschließen. Wichtig ist deshalb die innere Gegenbewegung, das heißt wir sollten uns im Tiefstatus innerlich öffnen, um den kreativen Fluss nicht abreißen zu lassen.
Klippe des Hochstatus: Die dominante körperliche Haltung birgt die Gefahr, die Szene unbewusst kontrolleren zu wollen. Wichtig ist, den Kontakt zum anderen nicht abreißen lassen, offen zu sein, für dessen Angebote.
Status immer als Spiel empfinden, nicht als Essenz des Spielers, von der er nicht lassen kann.

10. November 2008

Monolog - Hände

In Monologen sei man klar mit den Händen. Die Frage, wohin mit den Händen, erübrigt sich, wenn wir sie benutzen, um Sachverhalte zu verdeutlichen.
Klare einfache Gesten, mit denen man den Raum teilt, statt Fingergefitzel, das den Zuschauer/Zuhörer eher verwirrt. Wenn man aufzählt, nicht mehr als drei Dinge nennen - mehr führt eher zu Unklarheit. Diese zwei, drei Dinge symbolisch und klar im Raum verankern, bzw, den Raum teilen.

9. November 2008

Akzeptiere und engagiere dich

Ich hatte lange Zeit gedacht, im Grunde ließe sich in der Impro alles aufs Akzeptieren zurückführen. Aber es gibt einen zweiten entscheidenden Punkt, den ich vielleicht eine Weile übersehen habe, weil er in meiner eigenen Entwicklung als Improvisierer nie eine Rolle gespielt hat: Einsatzfreude (Engagement, Commitment).
Accept = YES
Commit = AND

5. November 2008

Ja-Unterricht

Ein seltsamer Umstieg. Wenn man über Monate eine Gruppe Fortgeschrittener unterrichtet - mit ausgefeilten Tips zum Storytelling, zu Abstraktionen, physischen Feinheiten usw. - dann ist es regelrecht überraschend und erfrischend, eine Gruppe blutiger Anfänger zu trainieren.
"Darf ich auch Nein sagen?"
"Ist das so richtig?"
Wie wichtig es ist, den Ja-Muskel immer wieder zu trainieren! Die physischen und geistigen Blockaden abzulegen! Was für ein Hemmschuh die Eitelkeit sein kann!

4. November 2008

3. November 2008

Auf- und Abgang

Buddle eine alte Spolin-Übung aus: Training von Auf- und Abgängen.
1. Habe eine Haltung.
2. Triff eine Entscheidung über deinen Fuß und deine Stimme.

Anti-Zug-um-Zug-Übung

Was passiert eigentlich, wenn wir die gute alte Regel des Zug-um-Zug bewusst hintertreiben, ja sogar dagegen spielen?
Übung: Zwei Spieler. Die Szene beginnt positiv. Irgendwann eskaliert der Dialog zu einem Streit, bis beide gleichzeitig sprechen. Der Fokus der Spieler sollte darauf liegen, sich auf das zu beziehen, was der andere sagt und gleichzeitig daraus neues Material schaffen. Man kann das zu einem richtig lauten Streit anwachsen lassen, bis beide Spieler am Höhepunkt plötzlich gleichzeitig aufhören zu sprechen.
Die Energie solcher Szenen ist enorm und erstaunlicherweise erfasst man als Zuschauer sehr viel.
Mögliche Vorübung: Streit auf Kauderwelsch mit Wiederaufnahme der Kauderwelschwörter des anderen.